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Deutscher Alpenverein DAV klettern

Dürener Nachrichten, Nr. 100, Donnerstag, 30. April 1998

Kritiker und Befürworter des Kletterverbotes diskutierten

"Naturschutz nur sanft umsetzen"

Nideggen (jad). Wie sind Naturschutz und Wirtschaft im Rurtal miteinander zu verbinden? Auf einer Podiumsdiskussion am Montag in Nideggen wurde klar, daß zwar Umweltschutz notwendig sei, allerdings nur in sanfter Form.

Vertretern der ansäßigen Gastronomiebetriebe, der Fremdenverkehrsvereine sowie Alpen und Eifelverein wurde die Möglichkeit eingeräumt, Stellung zur aktuellen Problematik zu beziehen.

Hintergrund der Diskussion ist die mögliche Vollsperrung der Felsen für Kletterer. Die Gastronomen fürchten um ihre Existenz, falls die Sperrung durchgesetzt werden sollte. Laut Hotel- und Gaststättenverband sind in den Eifelgemeinden des Kreises Düren 140 Betriebe betroffen. Durchschnittlich beschäftigt jeder Betrieb fünf Mitarbeiter.

An diesem Abend wurde deutlich: im Rurtal geht die Angst um, nach Kanuten und Klettersportlern könnten als nächstes die Wanderer verboten werden. Dies würde in der industriearmen Region zu einer wirtschaftlichen Katastrophe führen. Der Hotel- und Gaststättenverband weist darauf hin, daß die Zahlen der Hotelübernachtungen seit 1993, mit Beginn der Einschränkung für Kanuten auf der Rur, spürbar zurückgegangen sind. Jürgen Kunz vom Alpenverein rechnete vor, daß ein Gast pro Jahr rund 3000 Mark in der Eifel läßt.

Auf der anderen Seite müsse das als "große Kostbarkeit" bezeichnete Rurtal in seiner Schönheit mit Pflanzen und Tiervielfalt erhalten bleiben. Ein Massentourismus wie in früheren Jahren wird von allen Seiten abgelehnt.

Bilduntertitel:
Wolfgang Schäfer von der IG Rurtal (rechts) sprach sich im Beisein von Vertretern aus Verwaltung und des Alpenvereines gegen radikalen Naturschutz aus.



Dürener Zeitung, Nr. 100, Donnerstag, 30. April 1998


Die Angst der Gastronomie vor einem "Naturreservat"

Nidegger Forum erörterte den Konflikt zwischen Naturschutz und den Interessen des Tourismus - Dialog vereinbart

Nideggen. 283 Hektar Land zwischen Untermaubach und Hausen, ein attraktives Stück Nordeifel, sollen per Verordnung zum Naturschutzgebiet erklärt werden. Felsen, Bachtäler und Wälder gilt es zu erhalten~ Wasseramsel, Uhu und Falken zu schützen. Mitunter stört dabei der Mensch. Ohne Einschränkungen wird das Schutzgebiet nicht mehr zu betreten sein. Das Kanufahren auf der Rur ist bereits reglementiert, das Bergsteigen ebenfalls. Nun geht das Gastgewerbe auf die Barrikaden.

Gewerbebetriebe aus der Region haben sich zum Widerstand formiert und Kritik geäußert. Am Dienstag abend in Nideggen wurden auf einem Forum des Hotel- und Gaststättenverbandes die Argumente ausgetauscht.

Die Gastronomie im Rurtal beklagt Umsatzeinbußen und macht die bereits bestehenden Beschränkungen für Kletterer und Kanuten verantwortlich. Neue Naturschutzverordnungen und Landschaftspläne, so Michael Schäfer (Blens), ließen Schlimmes befürchten. Die wirtschaftlichen Interessen der Region seien darin nicht berücksichtigt. Man sei nicht bereit, weitere Nachteile hinzunehmen und erwarte Kompromisse, mit denen auch die Gastronomie leben könne.

Beim Forum kamen viele Gruppen zu Wort, die Diskussion verlief betont sachlich. Die anwesenden Naturschützer hielten sich zurück. Der Alpenverein, der im Rurtal acht Hütten betreibt, sieht den Klettersport in der Eifel "vor dem Aussterben". Einzelne Naturschützer und die Grünen praktizierten die soziale Ausgrenzung einer Gruppe, hieß es. Der DAV betonte Kompromißbereitschaft bei angemessenen Klettermöglichkeiten.

Die Interessen des Eifelvereins wurden von Ex OKD Josef Hüttemann formuliert. Er forderte Garantien für die vorhandenen Wanderwege und lehnte eine Sperrung der Felsköpfe ab. Hüttemann: "Auch der Mensch hat ein Habitat; er hat ein Recht darauf, die schöne Landschaft der Eifel von den Felsen aus genießen zu können."

Nideggens Bürgermeister Willi Hönscheid äußerte die Befürchtung, die Sperrung der Felsen sei nur ein weiteres Mosaiksteinchen auf dem Weg zu einer Totalsperrung. Hönscheid warnte davor, das wirtschaftliche Standbein der Region, den Tourismus, zu gefährden. Kompromisse seien zwingend. Man müsse im Gespräch bleiben.

Von Hönscheid kam die Anregung, die nun begonnene Diskussion intern fortzusetzen, um zu greifbaren Ergebnissen zu kommen. Unter akzeptablen Rahmenbedingungen, so die Vorsitzende der DAV Sektion Düren, Heidi Cremer, sei man zur Mitarbeit bereit.

Unterdessen befindet sich der Landschaftsplan Kreuzau/Nideggen in der Offenlegung. Er sieht auch im Kalltal Schutzzonen vor - für den Fischotter. (wts)

Zitiert:
"Eine Verordnung, die vor allem aufbaut auf der Aussperrung von Menschen, muß dazu führen, daß wir im Ergebnis weniger Naturschutz haben als zuvor." Willi Hönscheid, Bürgermeister

Bilduntertitel:
Leere Terrassen, kaum Gäste. Diese Schreckensvision plagt manche Gastwirte in der Eifel.

Bilduntertitel:
Interessierte Zuhörer im Saal. In sachlicher Atmosphäre wurden in Nideggen die Interessen der Tourismus Branche, der Gastronomie, des Eifelvereins und der Alpinisten erörtert. Die Vertreter des Naturschutzes hielten sich zurück.



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Burg Nideggen und Burgwand © Günter Kobiolka
Herweg (Quelle: Günter Kobiolka)
Auf der Burgwand
Trichterkante (Quelle: Günter Kobiolka)
An der Burgwand
Hochkoppel bei Untermaubach (Quelle: Günter Kobiolka)
Florian Schmitz
Feuchter in der Burgwand (Quelle: Günter Kobiolka)
Haken für Sandstein